China - Xuantong - One Dollar Silver Coin - Mustermünze ??

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Hallo zusammen!

da dies mein erster Beitrag im Forum ist, danke ich euch im Voraus und bitte um Verständnis, falls meine Fachbegriffe nicht ganz korrekt sind.

Ich beschäftige mich erst seit zwei Jahren mit den Münzen, die ich von meinen Eltern geerbt habe; daher bin ich, obwohl schon 72 Jahre alt, noch ein Neuling auf dem Gebiet der Numismatik!

Heute möchte ich euch eine - für mich - ganz besondere chinesische Ein-Dollar-Silbermünze aus der Zeit des letzten chinesische Kaisers vorstellen (Regierungszeit 1908–1912).  

Diese Münze wurde meines Wissens bisher in keiner Publikation beschrieben.

Hier eine kurze Zusammenfassung, wie meine Eltern in den Besitz dieser Münze gelangten (beide waren begeisterte Numismatiker und vererbten mir tausende von Münzen, hauptsächlich amerikanische): 

1956, also vor genau 70 Jahren, reiste mein Vater geschäftlich nach China und brachte diese Münze mit (wir lebten damals in der DDR, und mein Vater leitete ein Labor in einem großen Pharmaunternehmen / in dieser Position war er damals mit einer Delegation nach China gereist).

Meinen Recherchen zufolge handelt es sich bei dieser Münze um eine sogenannte „1-Dollar-Xuantong“ aus der Zeit des jüngsten und letzten chinesischen Kaisers. Puyi regierte (formell) das chinesische Reich von seinem zweiten bis zu seinem sechsten Lebensjahr und war der elfte und letzte Monarch der Qing-Dynastie. 

Soweit, so gut: 

Meine 1-Dollar-Münze weist auf Vorder- und Rückseite ein Design auf, das den bekannten Münzen dieser Zeit stark ähnelt (siehe Abbildungen 1 und 2 // Vergleich: numista.com/22816). Sie ist jedoch deutlich größer (45 mm statt 39 mm Durchmesser) und wiegt dementsprechend mit ca. 38,1 g (siehe Abbildung 3) wesentlich mehr als die ca. 26,9 g einer „typischen“ chinesischen 1-Dollar-Silbermünze aus jener Zeit. 

Die Vorderseite zeigt das bekannte Drachenmotiv (wahrscheinlich in der gleichen Größe wie auf den Umlaufmünzen), sodass meine Münze eine deutlich größere unbedruckte Fläche aufweist. Im unteren Bereich (gegen 8 Uhr) ist das Wort „GIORGI“ in Blockbuchstaben gedruckt (siehe auch Abbildung 1), was bei den mir bekannten Umlaufmünzen nicht der Fall ist. 

Ich vermutete gleich, dass möglicherweise der Münzgestalter/Designer hier seine Signatur hinterlassen hat, wie man es beispielsweise auch auf vielen US-Münzen sieht. 

Nach einigen Recherchen im Internet habe ich Informationen über einen Luigi Giorgi (1848–1914) gefunden, einen italienischen Goldschmied und Graveur, der lange Zeit ltd. Designer der königlichen, römischen Münzanstalt war und auch zahlreiche chinesische Münzen entworfen haben soll (Wikipedia) – das würde passen. 

Aufgrund dieser bisherigen Informationen gehe ich nun davon aus, dass es sich bei dieser Münze um ein Vorserienmodell handelt, ein Entwurf, der später als Vorlage für die Umlaufmünzen diente. Das würde bedeuten, dass diese Münze wahrscheinlich um 1908 hergestellt wurde (zu Beginn der Amtszeit des neuen „kleinen“ Kaisers).

Wenn Luigi Giorgi diese Münze im doch recht hohen Alter noch entworfen haben sollte, besteht auch die Möglichkeit, dass sie gar nicht in China, sondern in Italien hergestellt wurde und dann als Vorlage nach Peking geschickt wurde (dieses ist aber nur eine persönliche Vermutung/Überlegung). 

Ich wäre nun sehr an Eurer Meinung zu diesem Gesagten interessiert. 

Die Rückseite meiner Münze ähnelt ebenfalls stark den Umlaufmünzen, obwohl alle Symbole etwas größer sein müssen als auf den bekannten Umlaufmünzen, da sie die gesamte Oberfläche der Münze bedecken (siehe Abbildung 2).

Die Münze ist nicht magnetisch und besteht eindeutig aus einer Silberlegierung. 

Abschließend noch ein kurzer Kommentar (basierend auf meiner eigenen Schlussfolgerung!):

Es ist für mich kaum vorstellbar, dass ein Fälscher so offensichtlich (und selbst für einen Laien sofort erkennbar) eine Münze fälschen würde, die deutlich größer und schwerer ist als das Original. Auch aus finanzieller Sicht sehe ich darin keinen Sinn, denn diese Münze erfordert auch mehr Silber und würde somit den potenziellen finanziellen Gewinn des Fälschers minimieren. 

Letztendlich bin ich überzeugt, dass meine Eltern aufgrund ihrer Fachkenntnisse eine Fälschung schon damals erkannt und die Münze nicht als einzigartiges Sammlerstück aufbewahrt hätten.

Genug über meine eigenen Gedankengänge! 

Mich würde nun „brennend“ eure Meinungen zu meiner Vorstellung dieser chinesischen Münze und zu meinen ganz persönlichen Schlussfolgerungen interessieren; außerdem möchte ich gerne wissen, ob jemand jemals eine solche Münze gesehen hat oder weiß, wo sie in der Literatur beschrieben wird.

DANKE !!  😉

Hallo Monito,

 

für mich sieht dieses Objekt eindeutig nach einer Nachahmung oder etwas der Art aus. Die Qualität ist um ein vielfaches schlechter als was man bei einer echte Probe erwarten würde (schwammige Details und schlechte Prägung). Die eindeutige Übergröße und abweichende Designelemente könnten ein Weg gewesen sein um zu argumentieren, dass man ja keine Münze nachgemacht hätte etc.. Auch das alter ist keine Garantie für Echtheit, Fälschungen wurden schon seit es Münzen gibt aus dem einen oder anderen Grund angefertigt (in diesem Fall wohl eher um den Numismatischen Markt  zu beliefern).

 

Vergleiche die Ähnlichste der Probenvariaten und eine der gelisteten Repliken:

N#22816 

N#345967 

P.S.:

[…] und besteht eindeutig aus einer Silberlegierung.

Was für physikalische (abgesehen vom Magnettest) und/oder chemische Tests wurden durchgefürt die das so eindeutig aussagen? 

Hallo Idolenz, 

 

erst einmal vielen Dank für die Antwort auf meine Anfrage - zu Ihrer Aussage/Argumentation, dass es sich eindeutig um eine Fälschung handeln muss, möchte ich aber noch aus meiner Sicht folgendes anmerken:

 

1.) Ich habe diese Münze vor einigen Tagen zu einem großen Münzhaus/Auktionshaus in Hamburg gegeben, deren Fachleute einerseits auch feststellten, dass es sich um eine Silbermünze handelt.

2. Leider hatte ich die beiden eigestellten Fotos zu intensiv “überschärft”, sodass die Oberflachenstruktur etwas “schwammig” aussieht, dieses ist aber nicht der Fall, wenn man das Original betrachtet.

3.) Richtig ist, dass die Münze schon “durch viele Hände” gegangen sein muss (schon bis 1956!), da man deutlich sieht, dass sie teilweise stark“abgegriffen” ist.

 

Was Sie mir leider nicht beantworten konnten (und das ist für mich als Naturwissenschaftler entscheidend), warum der/die Fälscher offensichtlich so dilletantisch (und auch ökonomisch nicht sinnvoll) diese Münze gefälscht haben sollen, wobei die Größe und das Gewicht dieser “Fälschung” signifikant von den damaligen Orignalmünzen abweicht, sodass dieses auch für einen Laien sofort ersichtlich wäre. 

 

Auch ist es mir nicht ersichtlich warum der/die Fälscher auf der Vorderseite der Münze (Drachen) das Bild nur so groß wählt, wie es bei den Umlaufmünzen ist (z.B. dabei die Gestalt des Drachen sehr exakt auch mit den sonst ungewöhnlich langen “Barthaaren” nachbildet) dann aber noch eine Signatur darunter setzt, die nicht zu den Umlaufmünzen gehört.

 

Die Rückseite dieser Münze ist im Gegensatz zur Vorderseite vollfächig und exakt mit den Symbolen gefüllt, die auch die Umlaufmünzen besitzen -  somit aber natürlich  größer.

 

Wenn Sie mir nun weitere dieser “gefälschten Silber-Münzen” in der Literatur benennen können, die ebenso signifikant übergroß sind, würde ich Ihnen wahrscheinlich zustimmen, dass es sich auch hier um eine Fälschung handeln muß (ich gehe nämlich dabei von der These aus, dass sich eine Fälschung nur dann “rentieren” würde, wenn man den Aufwand zur Herstellung dieser Fälschung durch den mehrfachen Verkauf  in einen Gewinn “ummünzen” kann).

 

Was aber meiner Meinung nach aber gegen eine Fälschung spricht ist, dass China von 1913 bis 1955 (in diesem Zeitabschnitt müsste diese Fälschung entstanden sein)  äußerst chaotische Jahre erlebt hatte die von Armut und ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt waren. Fraglich ist, ob in diesen Zeiten noch jemand die Muße und auch die Möglichkeit hatte Münzen professionell zu fälschen; speziell würde mann meines Erachtens dann keine Münzen aus der “nahen Vergangenheit” fälschen, sondern Münzen wo die Nachfrage auch damals schon groß war, sich somit der Gewinn maximieren lässt (also z.B. chinesische Münzen aus dem 18. Jahrhundert).

 

Für mich ist es daher eine “logischere” Erklärung, dass es sich bei meiner Münze wirklich um eine Vorläuferversion der sog. “1 Dollar Xuantong” Münze handelt und sie als Muster diente, dann aber etwas filigraner im Endprodukt hergestellt wurde und dabei die Größe und das Gewicht so gewählt wurde, wie in China es üblich war.

 

Lassen Sie mich zuletzt noch einen Gedankengang “spinnen” -  nehmen wir einmal an, dass es sich tatsächlich um ein Mustermünze von Luigi Giorgi handelt, die entweder in Italien hergestellt und nach China gebracht wurde, oder in China geprägt wurde und dann als Vorlage für die Umlaufmünzen genutzt wurde. Nach 1912 begannen aber sehr unruhige Zeiten in China und fast alles, das an die Qing Dynastie erinnerte, wurde niedergerissen. So kam auch diese Münze irgendwie in den Umlauf und damit in den Besitz einer Privatperson, besaß aber nun nur den Silberwert und keinen idiellen. Im Laufe der nächsten 40 Jahre wechselte sie oftmals den Besitzer und wurde dabei als Silber gegen Essen/sonst. Ware getauscht. Das würde auch erklären, warum diese Münze doch schon stark “abgegriffen” ist….

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